Die Angst der Städter vor der Landbevölkerung
Verfasst: 5. Apr 2005 18:16
Angst kann man auf verschiedene Weise im Horrorfilm aufbauen – eine Sektion ist die Angst des Stadtmenschen, der sich in einer unbekannten ländlichen Umgebung, bevorzugt in den Weiten des nordamerikanischen Kontinents verirrt und dort auf brutale, geistig debile und durch generationenlange Inzucht missgebildete Menschen trifft, deren einziges Sinnen und Trachten sein Tod ist.
Einer der ersten Filme dieser Reihe, noch sehr gemäßigt in der Darstellung der Brutalitäten ist John Bormans Film – Deliverance- beim Sterben ist jeder der erste aus dem Jahre 1972, der in Deutschland auch unter dem Titel Flussfahrt erschienen ist. Hierbei fahren 4 gutsituierte Städter (u.a. Burt Reynolds und John Voight) der am. Mittelschicht mit zwei Kanus einen Fluß entlang durch ein landschaftliches Paradies, dass schon bald einem Staudammprojekt zum Opfer fallen soll. Als sich die beiden Kanus bei einer Stromschnelle verlieren und zwei der Protagonisten am Ufer haltmachen um auf ihre Kumpel zu warten, werden diese von eben solchen inzüchtlerischen Ländlern überfallen und vergewaltigt..
Als das andere Kanu kommt und Burt einen der beiden Vergewaltiger mit einem Pfeil durch den Hals an einem Baum festnagelt, beginnt eine wilde Hatz, bei der einer der Hauptdarsteller auf der Strecke bleibt. Der Film lebt nicht nur durch diese Jagdszenen, sondern auch durch die Spannungen innerhalb der Gruppe, da einer der biederen Bürger diesen Mord aus Notwehr bei den Behörden melden will, die anderen aber, um ihr geborgenes Spießerleben fürchtend, die Tat vertuschen wollen.
Ein Meisterwerk dieses Subgenres des Horrorfilms ist der hier in Deutschland unverständlicherweise lange Zeit indizierte und bis vor kurzem für den Normalverbraucher kaum zu bekommende Film von Tobe Hooper ‚Texas Chainsaw Massacre’, der international anerkannt wird und bereits Einzug in die Hall of Fame gefunden.
Hooper gelingt es hierbei diese Art des Schreckens einer Konfrontation von Stadt- und Landbevölkerung zu einer ultimativen Spitze zu treiben und setzte mit seinem Werk neue Massstäbe des Horrorfilms.
Der Darsteller Gunnar Hansen, als Leatherface wurde zum Kultobjekt einer Gemeinde von Hardcore-Horrorfans und der Filmtitel wurde zu einem Synonym für den Begriff Splatterfilm an sich.
Hooper gelingt es von Beginn an den Zuschauer in eine Atmosphäre der bedrohung zu versetzen, das tote Gürteltier am Rande der Strasse, der verrückte Anhalter und sein Gerede über die Rinderschlachtung, untermalt von einer intensiven, ideal passenden Musik erzeugen schon vor den eigentlichem Geschehen eine derartige Angst bei den Zuschauern, dass bei der Erstaufführung des Films schon nach 25 Minuten Zuschauer in Panik das Kino verliessen.
Der mittlere Teil des Films steigert dann diese Intensität der Bedrohung noch weiter – die Ermordung einer Protagonistin, die Leatherface an einem Fleischerhaken aufhängt ist – obwohl der Zuschauer eigentlich nichts brutales direkt sieht so perfekt aufgebaut, dass der Zuseher das fehlende Bild im Kopf ergänzt und somit den Terror fast noch schlimmer erlebt als es reale Bilder hätten zeigen können. Nicht wenige vergleichen diese Art der Erzeugung phantasiehafter Ergänzungen mit Hitchcocks Meisterwerk Psycho.
Im dritten Teil bei der legendäre Essensszene im Hause der kannibalischen Familie, wo die letzte noch lebende Darstellerin Sally Hardesty (dargestellt von Marilyn Burns), gefesselt am Tisch sitzt spitzt sich der Film zu einem fast irrwitzigen stakkatoähnlichem Aneinanderreihen menschlicher Urängste zu, hervorragend in Szene gesetzt durch Hoopers geniale Schnitttechnik und untermalt durch eine pandämonische Kakophonie im positivem Sinne von Tönen und Musik, die den nun ‚um Gnade winselnden Zuschauer’ schier in den Wahnsinn seiner eigenen unterbewussten Ängste treibt.
Wenn man bedenkt dass dieser Film gerade mal ca. 150.000 Dollar Produktionskosten hatte, dann muß man Hooper zugestehen einen der wohl besten Horrorfilme aller Zeiten gedreht zu haben, der völlig zu Unrecht von der heimischen Zensur in die Ecke des Schundfilms gedrängt wurde.
Hooper gelang es mit der 1986 gedrehten Fortsetzung The Texas Chainsaw Massacre 2 noch einmal an den Glanz dieses Meisterwerks anzuknüpfen.
War der erste Teil einen Meilenstein des Psychoterrors, so ist der zweite Film eine Orgie der Gewalt, die künstlerisch nahezu ebenbürtig umgesetzt wurde. Auch hier arbeitet Hooper wieder mit knallbunten Szenen, irrwitzig geschnitten und untermalt von phantasmagorischen Klängen. Die Liebe zum Detail zeigt sich in den Ausschmückungen der labyrinthartigen Gewölbe, die mit Knochengebilden, Fleischresten etc. beim Zuschauer erneut Urängste zu wecken vermögen.
Die Handlung in Teil zwei geht nahtlos vom Erstlingswerk über – die Killer wurden immer noch nicht gefasst, doch der Polizist Lefty Enright (genial dargestellt von Dennis Hopper) lässt nicht locker um die Mörder seines Bruders zu finden.
Als sich ein mysteriöser Mordfall an zwei jugendlichen Autofahrern ereignet, die zum Zeitpunkt ihrer Ermordung gerade per Telefon in einer Radio-Livesendung mit der Moderatorin sprechen – sieht Lefty seine Chance eine neue Spur zu den verrückten Killern aufzunehmen und bittet die Moderatorin das Tape mit der Aufzeichnung des Mordes im radio abzuspielen, in der Hoffnung dass die Killer darauf reagieren und das tun sie dann auch, allerdings in einer Weise, die sich Lefty nicht in seinen schrecklichsten Alpträumen auszumalen hätte können....
Allein die Mordszene an den beiden jungen Leuten, bei der der scharze Lastwagen der Killer rückwärts neben dem Auto der Opfer herfährt ist von einer so dichten und angstbereitenden Intensität, dass der eigentliche Mord durch Leatherface, der mit seiner Kettensäge durch das Autodach sägt, fast wie eine Erlösung für den betrachter rüberkommt.
Wer die beiden Filme noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich sie wärmstens mit der Warnung versehen, dass dies zu mancher schlafloser Nacht führen könnte...
Weitere Fortsetzungen sind zu vernachlässigen und fallen unter die Kategorie aufgewärmter Aufguss.
Übrigens ist auch die Neuverfilmung von Texas Chainsaw Massacre aus dem Jahre 2004, zwar handwerklich okay, aber erreicht zu keinem Zeitpunkt die Intensität seiner beiden berühmten Vorgänger und muß deswegen auch nicht gesehen werden.
Ein weiterer Film zu unserem Thema ist der im August 2003 in die Kinos gekommene – The wrong Turn von Rob Schmidt, der sich nahezu derselben Thematik annimmt – eine Gruppe Jugendlicher verfährt sich (biegt falsch ab) und trifft auf 3 durch Inzucht degenerierte Hinterwäldler, die eng verwandt mit der Killertruppe aus Texas Chainsaw Massacre sein könnten.
Schmidt gelingt ein durchaus spannender Actionfilm, der ebenso atmosphärisch dichte Horrorszenen hat, speziell in der Jagd im Wald und auf dem Hochsitz wo mit Axt und Bogen auf Leben und Tod gekämpft wird.
The Wrong Turn ist sicher nicht von der Qualität der Hooperschen Filme, aber für Fans des Horrors wie des harten Actionfilms durchaus sehenswert.
Einer der ersten Filme dieser Reihe, noch sehr gemäßigt in der Darstellung der Brutalitäten ist John Bormans Film – Deliverance- beim Sterben ist jeder der erste aus dem Jahre 1972, der in Deutschland auch unter dem Titel Flussfahrt erschienen ist. Hierbei fahren 4 gutsituierte Städter (u.a. Burt Reynolds und John Voight) der am. Mittelschicht mit zwei Kanus einen Fluß entlang durch ein landschaftliches Paradies, dass schon bald einem Staudammprojekt zum Opfer fallen soll. Als sich die beiden Kanus bei einer Stromschnelle verlieren und zwei der Protagonisten am Ufer haltmachen um auf ihre Kumpel zu warten, werden diese von eben solchen inzüchtlerischen Ländlern überfallen und vergewaltigt..
Als das andere Kanu kommt und Burt einen der beiden Vergewaltiger mit einem Pfeil durch den Hals an einem Baum festnagelt, beginnt eine wilde Hatz, bei der einer der Hauptdarsteller auf der Strecke bleibt. Der Film lebt nicht nur durch diese Jagdszenen, sondern auch durch die Spannungen innerhalb der Gruppe, da einer der biederen Bürger diesen Mord aus Notwehr bei den Behörden melden will, die anderen aber, um ihr geborgenes Spießerleben fürchtend, die Tat vertuschen wollen.
Ein Meisterwerk dieses Subgenres des Horrorfilms ist der hier in Deutschland unverständlicherweise lange Zeit indizierte und bis vor kurzem für den Normalverbraucher kaum zu bekommende Film von Tobe Hooper ‚Texas Chainsaw Massacre’, der international anerkannt wird und bereits Einzug in die Hall of Fame gefunden.
Hooper gelingt es hierbei diese Art des Schreckens einer Konfrontation von Stadt- und Landbevölkerung zu einer ultimativen Spitze zu treiben und setzte mit seinem Werk neue Massstäbe des Horrorfilms.
Der Darsteller Gunnar Hansen, als Leatherface wurde zum Kultobjekt einer Gemeinde von Hardcore-Horrorfans und der Filmtitel wurde zu einem Synonym für den Begriff Splatterfilm an sich.
Hooper gelingt es von Beginn an den Zuschauer in eine Atmosphäre der bedrohung zu versetzen, das tote Gürteltier am Rande der Strasse, der verrückte Anhalter und sein Gerede über die Rinderschlachtung, untermalt von einer intensiven, ideal passenden Musik erzeugen schon vor den eigentlichem Geschehen eine derartige Angst bei den Zuschauern, dass bei der Erstaufführung des Films schon nach 25 Minuten Zuschauer in Panik das Kino verliessen.
Der mittlere Teil des Films steigert dann diese Intensität der Bedrohung noch weiter – die Ermordung einer Protagonistin, die Leatherface an einem Fleischerhaken aufhängt ist – obwohl der Zuschauer eigentlich nichts brutales direkt sieht so perfekt aufgebaut, dass der Zuseher das fehlende Bild im Kopf ergänzt und somit den Terror fast noch schlimmer erlebt als es reale Bilder hätten zeigen können. Nicht wenige vergleichen diese Art der Erzeugung phantasiehafter Ergänzungen mit Hitchcocks Meisterwerk Psycho.
Im dritten Teil bei der legendäre Essensszene im Hause der kannibalischen Familie, wo die letzte noch lebende Darstellerin Sally Hardesty (dargestellt von Marilyn Burns), gefesselt am Tisch sitzt spitzt sich der Film zu einem fast irrwitzigen stakkatoähnlichem Aneinanderreihen menschlicher Urängste zu, hervorragend in Szene gesetzt durch Hoopers geniale Schnitttechnik und untermalt durch eine pandämonische Kakophonie im positivem Sinne von Tönen und Musik, die den nun ‚um Gnade winselnden Zuschauer’ schier in den Wahnsinn seiner eigenen unterbewussten Ängste treibt.
Wenn man bedenkt dass dieser Film gerade mal ca. 150.000 Dollar Produktionskosten hatte, dann muß man Hooper zugestehen einen der wohl besten Horrorfilme aller Zeiten gedreht zu haben, der völlig zu Unrecht von der heimischen Zensur in die Ecke des Schundfilms gedrängt wurde.
Hooper gelang es mit der 1986 gedrehten Fortsetzung The Texas Chainsaw Massacre 2 noch einmal an den Glanz dieses Meisterwerks anzuknüpfen.
War der erste Teil einen Meilenstein des Psychoterrors, so ist der zweite Film eine Orgie der Gewalt, die künstlerisch nahezu ebenbürtig umgesetzt wurde. Auch hier arbeitet Hooper wieder mit knallbunten Szenen, irrwitzig geschnitten und untermalt von phantasmagorischen Klängen. Die Liebe zum Detail zeigt sich in den Ausschmückungen der labyrinthartigen Gewölbe, die mit Knochengebilden, Fleischresten etc. beim Zuschauer erneut Urängste zu wecken vermögen.
Die Handlung in Teil zwei geht nahtlos vom Erstlingswerk über – die Killer wurden immer noch nicht gefasst, doch der Polizist Lefty Enright (genial dargestellt von Dennis Hopper) lässt nicht locker um die Mörder seines Bruders zu finden.
Als sich ein mysteriöser Mordfall an zwei jugendlichen Autofahrern ereignet, die zum Zeitpunkt ihrer Ermordung gerade per Telefon in einer Radio-Livesendung mit der Moderatorin sprechen – sieht Lefty seine Chance eine neue Spur zu den verrückten Killern aufzunehmen und bittet die Moderatorin das Tape mit der Aufzeichnung des Mordes im radio abzuspielen, in der Hoffnung dass die Killer darauf reagieren und das tun sie dann auch, allerdings in einer Weise, die sich Lefty nicht in seinen schrecklichsten Alpträumen auszumalen hätte können....
Allein die Mordszene an den beiden jungen Leuten, bei der der scharze Lastwagen der Killer rückwärts neben dem Auto der Opfer herfährt ist von einer so dichten und angstbereitenden Intensität, dass der eigentliche Mord durch Leatherface, der mit seiner Kettensäge durch das Autodach sägt, fast wie eine Erlösung für den betrachter rüberkommt.
Wer die beiden Filme noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich sie wärmstens mit der Warnung versehen, dass dies zu mancher schlafloser Nacht führen könnte...
Weitere Fortsetzungen sind zu vernachlässigen und fallen unter die Kategorie aufgewärmter Aufguss.
Übrigens ist auch die Neuverfilmung von Texas Chainsaw Massacre aus dem Jahre 2004, zwar handwerklich okay, aber erreicht zu keinem Zeitpunkt die Intensität seiner beiden berühmten Vorgänger und muß deswegen auch nicht gesehen werden.
Ein weiterer Film zu unserem Thema ist der im August 2003 in die Kinos gekommene – The wrong Turn von Rob Schmidt, der sich nahezu derselben Thematik annimmt – eine Gruppe Jugendlicher verfährt sich (biegt falsch ab) und trifft auf 3 durch Inzucht degenerierte Hinterwäldler, die eng verwandt mit der Killertruppe aus Texas Chainsaw Massacre sein könnten.
Schmidt gelingt ein durchaus spannender Actionfilm, der ebenso atmosphärisch dichte Horrorszenen hat, speziell in der Jagd im Wald und auf dem Hochsitz wo mit Axt und Bogen auf Leben und Tod gekämpft wird.
The Wrong Turn ist sicher nicht von der Qualität der Hooperschen Filme, aber für Fans des Horrors wie des harten Actionfilms durchaus sehenswert.