Noriel de Morville hat geschrieben:Werte Jawar, darf ich annehmen, Du hast Dich mit Kamea beschäftigt zu diesem besonderen Abend? ATU XV ist mir ein Begriff u.a. unter Bezug der Tarotkarte 15, Saturn und Steinbock ( der ja von Saturn regiert wird ) in Form des Gehörnten Gottes... Kamea des Saturn?
Hi Noriel,
na ich will doch hoffen, daß ich die Kamea des Saturn kenne, ich bin zwar "freihämmernd" am gar rauhen Stein des hylischen Selbstes aber nichtsdestotrotz Saturni (und zudem Sternzeichen Steinbock).
In diesem speziellen Fall kamen allerdings weder die Kamea noch die Saturnsigille zum Einsatz. Das ist eher was für "offiziellere" Rituale. Für Samhain wollte ich es schlicht und erdverbunden halten, ich habe eine Schwäche für den alten Ackergott, über meinem Altar hängt ihm zu Ehren eine kleine aber wunderschöne Sichel - meine Version des Ritualschwerts (viel zu unhandlich).
Da ich den Ahnen und den Toten gedenken wollte, habe ich diesmal mehr schamanische Elemente hinzugezogen, Eulen-, Krähenfedern und Medizinrad, Schlangenhaut, Pinienzapfen und Kastanien, was gerade da war. Ich habe mich mit den Symbolen des Todes umgeben, um die Vertrautheit mit seinen Kräften darzustellen, sowie mit den Symbolen des Zyklus zwischen Wachsen und Vergehen. Dieses Jahr war ATU XIII meine Jahreskarte, bald kommt ATU XIV, ich fand es "rund", den Übergang symbolisch mit dem Ziegenbock zu begehen. Keine chymische Hochzeit ohne Begegnung mit den Schatten... don't pan-ic...
Ich bin einfach dem Bock hinterhergetapst. Kennst du die Unendliche Geschichte? Zwei Szenen passen wunderbar als Beschreibung für den Anfang und das (vorläufige) Ende der Reise. Die erste ist, als die Kindliche Kaiserin auf den Alten vom wandernden Berg trifft, sie steigt die Sprossen einer Leiter hoch, die aus Buchstaben und Wörtern bestehen:
Kehr um kehr um geh fort geh fort
Zu keiner Zeit an keinem Ort
Darfst du mich treffen laß es sein
Gerade dir und dir allein
Muß ich den Weg verwehren
Kehr um laß dich belehren
Begegnest du mir altem Mann
Geschieht was nicht geschehen kann
Der Anfang sucht das Ende auf
Kehr um kehr um steig nicht hinauf
Sonst wirst du nur erreichen
Verwirrung ohnegleichen
Was du erschaffst und was du bist
Bewahre ich als der Chronist
Willst du zu mir nun streben
Es wird ein Unheil geben
Hier endet was durch dich beginnt
Du wirst nie alt sein Kaiserkind
Ich Alter war nie jung wie du
Was du erregst bring ich zur Ruh
Dem Leben ist verboten
Sich selbst zu sehn im Toten
Und hörst du auf die Warnung nicht
Die so beredt die Leiter spricht
Und bist du doch zu tun bereit
Was nicht sein darf in Raum und Zeit
So kann ich dich nicht halten
Willkommen denn beim Alten
Die zweite Szene ist der Dialog zwische Atrejú und der Uyulála:
Ich bin Uyulála, die Stimme der Stille,
Im tiefen Geheimnis Palast
Noch nie ist geschehen,
Daß jemand mich sah.
Du kannst mich nicht sehen
Und doch bin ich da.
Ich erscheine nicht im Licht,
So wie du erscheinst.
Denn mein Leib ist Klang und Ton,
Hörbar nur allein,
Diese Stimme selber schon
Ist mein ganzes Sein.
Über Berg und Tal, über Wald und Flur
Werd‘ ich vergehen, verwehen.
Alles ereignet sich einmal nur,
Aber einmal muß alles geschehen...
Jedes Jahr um diese Zeit höre ich den Alten vom wandernden Berg ganz besonders deutlich. Einmal muß alles geschehen... was ist ein Schatten, wenn nicht die Stimme der Stille?
Klingende Grüße,
Jawar