DMCA - das Ende der Freiheit des Internets - wie lange noch?
Verfasst: 29. Mär 2005 11:34
Die imperialistischen Pläne der USA beinhalten nicht nur den Kampf gegen angebliche "Schurkenstaaten", unter dem Alibi der "Terrorbekämpfung" ersuchen sie vielmehr jegliche Form der Meinungsfreiheit zu unterbinden. Und diese ist insbesondere in einem ganz bestimmten "Ort" gefährlich: dem Internet. Es ist dabei zu betonen, daß es eine Illusion ist, zu glauben, es ginge "bloß" um Piraterie bezüglich Musik- oder Filmdateien!
Vor fünf Jahren wurde in den USA der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) ins Leben gerufen. Man möge sich diese vier Buchstaben merken.
Leider ist es mir noch nicht gelungen, alle Informationen im Netz nachzuweisen, im Grunde bin ich erstaunt, wie wenig ich darüber fand bzw. wie veraltet die diesbezüglichen Informationen sind. Daher sei auch gleich die Bitte vorweg geschickt, genauere Infos hier in diesen Thread zu posten!
Einige Details dürften jedem bekannt sein, gleich ob es nun um das Ende von Napster, den Ausschluß rechtsradikaler Seiten, die Verfolgung von Pädophilen oder die Nutzung des Internets durch "Terroristen" geht. Sichere Kopierschutzmaßnahmen ärgerten sicher auch schon den einen oder anderen, weil die gekaufte Original(!)-CD oder -DVD nicht im eigenen Laufwerk lief. Vom einstigen Recht auf Privatkopien gar nicht erst gesprochen! Andere mußten überrascht feststellen, daß es verboten ist, eigene Kurzgeschichten zu schreiben, in denen Charaktere wie "Darthvader" (Lucasarts) oder "Harry Potter" (Time Warner) vorkommen. Vgl. Artikel Kontrolle über das Kopieren.
Moment, wird jetzt d(i)e(r) eine oder andere sagen, stand oben nicht etwas von US-Copyright? Sind wir hier etwa in Amerika?
Offenbar schon, denn parallel zur alttestamentarischen Anti-Terror-Losung "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" verpflichtet die Kulturindustrie der USA (voran zu nennen: Microsoft, Adobe, AOL, Time Warner etc. etc.) ausländische Medienfirmen bzw. auch ganze Staaten (Taiwan, Chile, Australien...) zur Unterzeichnung des DMCA. Vgl. heise.de - Das US-Copyright für den Rest der Welt
Auch die Europäische Union hat dementsprechend 2002 eine Richtlinie für Urheberrechte in der Informationsgesellschaft verabschiedet. Perfide die Folgen - etwa sind Online-Bibliotheken seitdem illegal:
Da das Grundgesetz keine Unterscheidung zwischen analogen und digitalen Medien vornimmt, darf man erwarten, dass das Gleiche für den Zugang zu digitalen Werken zutrifft. Und tatsächlich sieht die Richtlinie in Art. 5 Abs 2c die Möglichkeit vor, Vervielfältigungshandlungen in öffentlich zugänglichen Bibliotheken, Bildungseinrichtungen, Museen und Archiven, die keinen wirtschaftlichen Zweck verfolgen, von der ausschließlichen Kontrolle der Rechteinhaber auszuschließen. Anfangs waren, wie von Lewinski erläuterte, hier nur Archiv- und Ersatzkopien vorgesehen. Im Verlauf der Verhandlungen wurde diese Schranke etwas weiter gefasst.
Kategorisch ausgeschlossen ist jedoch eine online-Ausleihe digitaler Werke (vgl. die vorangestellte Erwägung 40). Art. 5 Abs. 3n lässt allein die Möglichkeit zu, dass die genannten Einrichtungen für die Nutzung von digitalen Werken "durch ihre Wiedergabe oder Zugänglichmachung für einzelne Mitglieder der öffentlichkeit zu Zwecken der Forschung und privaten Studien [] eigens hierfür eingerichtete Terminals in den Räumlichkeiten der genannten Einrichtungen" bereithalten. Diese Kopplung an einen Präsenzraum im Internetzeitalter des globalen Zugriffs auf Informationen scheint aberwitzig. Die EU-Richtlinie schickt die Bibliotheken mit einer Eisenkugel am Bein in die digitale Wissensordnung.
heise.de - Das Urheberrecht vom Kopf auf die Füsse gestellt
Aber es kommt noch besser: alsbald wird - von Microsoft initiiert - eine neue Hardware auf den Markt kommen. Ein spezieller Chip soll dafür sorgen, daß dann jeder neue Rechner einen "sicheren" und einen "unsicheren" Bereich hat. Letzterer dient nur dem Debugging und ist für den Normalnutzer unbrauchbar, in ihm laufen keine komplexen Programme, er hat nur die Aufgabe, daß ein Spezialist einen Computer wieder zum Laufen kriegen kann, der aus irgendeinem Grund nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Das Wort "sicher" scheint in diesem Sinne auch mehr so zu verstehen sein, daß dieser Bereich sicher vor dem Normalnutzer und seiner eventuell noch vorhandenen Kreativität ist. Es laufen nur speziell zertifizierte Programme. Diese Zertifikate sind sehr teuer und nur für Großfirmen wie eben Microsoft zu erwerben. Es wäre das Ende von Linux, Firefox, Winamp - ja im Grunde von allem, was nicht von der Lobby der Monopolisten programmiert wurde. Und diese hätten sozusagen den Wettbewerb in der Informatikbranche zu ihren Gunsten ausgeschaltet.
Das "Windows" der Zukunft wäre in diesem Sinne dann auch ähnlich "benutzerfreundlich", wie es bereits XP etwa im Vergleich zu Win98 bereits andeutet: alle Einstellmöglichkeiten sind reduziert, die Oberfläche fest vorgefügt, individuelle Gestaltung ausgeschaltet - und Kreativität - nun da hat Grambart ja bereits eine entsprechende Rechtschreibreform vorgeschlagen - verwandelt sich in Krea-tief-ität.
Eine private Webseite wie diese hier wäre demzufolge auch wahrscheinlich alsbald am Ende. Es dürfte ja dann genügen, daß jemand einen copyright-geschützten Nickname benutzt, aus einem Zeitungsartikel zitiert(!) oder ähnliches, damit die Seite dichtgemacht werden kann.
Und dies ist ja auch nur ein Aspekt der allmählichen Offenbarwerdung sublimer Diktatur, in der wir BEREITS leben. Ab überübermorgen (1.April) werden Kontobewegungen für jeden Arbeitgeber einsichtig, der Handel mit Informationen über Privatleute boomt, alsbald werden Krankenkassen ihre Beiträge vom Konsumverhalten ihrer "Kunden" abhängig machen, Emails werden schon lange gescannt und alle Versuche des "kleinen Manns", ein eigenes Geschäft aufzubauen, durch immer mehr Hürden unterbunden. Internetradios sollen neben anderen Gebühren auf einmal für jeden ausländischen Zuhörer bezahlen (da dieser ja ansonsten kostenlos an Analogkopien der Musik käme) und überhaupt soll die Möglichkeit der Analogkopie unterbunden werden. Und was passiert, wenn Handys oder Festnetztelefonanschlüsse nicht mehr von jedermann/-frau finanziell unterhalten werden können sollten, aber auch keine Telefonzellen mehr existieren werden, braucht man ja nur anzudeuten.
Euer Tinúviel
Vor fünf Jahren wurde in den USA der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) ins Leben gerufen. Man möge sich diese vier Buchstaben merken.
Leider ist es mir noch nicht gelungen, alle Informationen im Netz nachzuweisen, im Grunde bin ich erstaunt, wie wenig ich darüber fand bzw. wie veraltet die diesbezüglichen Informationen sind. Daher sei auch gleich die Bitte vorweg geschickt, genauere Infos hier in diesen Thread zu posten!
Einige Details dürften jedem bekannt sein, gleich ob es nun um das Ende von Napster, den Ausschluß rechtsradikaler Seiten, die Verfolgung von Pädophilen oder die Nutzung des Internets durch "Terroristen" geht. Sichere Kopierschutzmaßnahmen ärgerten sicher auch schon den einen oder anderen, weil die gekaufte Original(!)-CD oder -DVD nicht im eigenen Laufwerk lief. Vom einstigen Recht auf Privatkopien gar nicht erst gesprochen! Andere mußten überrascht feststellen, daß es verboten ist, eigene Kurzgeschichten zu schreiben, in denen Charaktere wie "Darthvader" (Lucasarts) oder "Harry Potter" (Time Warner) vorkommen. Vgl. Artikel Kontrolle über das Kopieren.
Moment, wird jetzt d(i)e(r) eine oder andere sagen, stand oben nicht etwas von US-Copyright? Sind wir hier etwa in Amerika?
Offenbar schon, denn parallel zur alttestamentarischen Anti-Terror-Losung "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" verpflichtet die Kulturindustrie der USA (voran zu nennen: Microsoft, Adobe, AOL, Time Warner etc. etc.) ausländische Medienfirmen bzw. auch ganze Staaten (Taiwan, Chile, Australien...) zur Unterzeichnung des DMCA. Vgl. heise.de - Das US-Copyright für den Rest der Welt
Auch die Europäische Union hat dementsprechend 2002 eine Richtlinie für Urheberrechte in der Informationsgesellschaft verabschiedet. Perfide die Folgen - etwa sind Online-Bibliotheken seitdem illegal:
Da das Grundgesetz keine Unterscheidung zwischen analogen und digitalen Medien vornimmt, darf man erwarten, dass das Gleiche für den Zugang zu digitalen Werken zutrifft. Und tatsächlich sieht die Richtlinie in Art. 5 Abs 2c die Möglichkeit vor, Vervielfältigungshandlungen in öffentlich zugänglichen Bibliotheken, Bildungseinrichtungen, Museen und Archiven, die keinen wirtschaftlichen Zweck verfolgen, von der ausschließlichen Kontrolle der Rechteinhaber auszuschließen. Anfangs waren, wie von Lewinski erläuterte, hier nur Archiv- und Ersatzkopien vorgesehen. Im Verlauf der Verhandlungen wurde diese Schranke etwas weiter gefasst.
Kategorisch ausgeschlossen ist jedoch eine online-Ausleihe digitaler Werke (vgl. die vorangestellte Erwägung 40). Art. 5 Abs. 3n lässt allein die Möglichkeit zu, dass die genannten Einrichtungen für die Nutzung von digitalen Werken "durch ihre Wiedergabe oder Zugänglichmachung für einzelne Mitglieder der öffentlichkeit zu Zwecken der Forschung und privaten Studien [] eigens hierfür eingerichtete Terminals in den Räumlichkeiten der genannten Einrichtungen" bereithalten. Diese Kopplung an einen Präsenzraum im Internetzeitalter des globalen Zugriffs auf Informationen scheint aberwitzig. Die EU-Richtlinie schickt die Bibliotheken mit einer Eisenkugel am Bein in die digitale Wissensordnung.
heise.de - Das Urheberrecht vom Kopf auf die Füsse gestellt
Aber es kommt noch besser: alsbald wird - von Microsoft initiiert - eine neue Hardware auf den Markt kommen. Ein spezieller Chip soll dafür sorgen, daß dann jeder neue Rechner einen "sicheren" und einen "unsicheren" Bereich hat. Letzterer dient nur dem Debugging und ist für den Normalnutzer unbrauchbar, in ihm laufen keine komplexen Programme, er hat nur die Aufgabe, daß ein Spezialist einen Computer wieder zum Laufen kriegen kann, der aus irgendeinem Grund nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Das Wort "sicher" scheint in diesem Sinne auch mehr so zu verstehen sein, daß dieser Bereich sicher vor dem Normalnutzer und seiner eventuell noch vorhandenen Kreativität ist. Es laufen nur speziell zertifizierte Programme. Diese Zertifikate sind sehr teuer und nur für Großfirmen wie eben Microsoft zu erwerben. Es wäre das Ende von Linux, Firefox, Winamp - ja im Grunde von allem, was nicht von der Lobby der Monopolisten programmiert wurde. Und diese hätten sozusagen den Wettbewerb in der Informatikbranche zu ihren Gunsten ausgeschaltet.
Das "Windows" der Zukunft wäre in diesem Sinne dann auch ähnlich "benutzerfreundlich", wie es bereits XP etwa im Vergleich zu Win98 bereits andeutet: alle Einstellmöglichkeiten sind reduziert, die Oberfläche fest vorgefügt, individuelle Gestaltung ausgeschaltet - und Kreativität - nun da hat Grambart ja bereits eine entsprechende Rechtschreibreform vorgeschlagen - verwandelt sich in Krea-tief-ität.
Eine private Webseite wie diese hier wäre demzufolge auch wahrscheinlich alsbald am Ende. Es dürfte ja dann genügen, daß jemand einen copyright-geschützten Nickname benutzt, aus einem Zeitungsartikel zitiert(!) oder ähnliches, damit die Seite dichtgemacht werden kann.
Und dies ist ja auch nur ein Aspekt der allmählichen Offenbarwerdung sublimer Diktatur, in der wir BEREITS leben. Ab überübermorgen (1.April) werden Kontobewegungen für jeden Arbeitgeber einsichtig, der Handel mit Informationen über Privatleute boomt, alsbald werden Krankenkassen ihre Beiträge vom Konsumverhalten ihrer "Kunden" abhängig machen, Emails werden schon lange gescannt und alle Versuche des "kleinen Manns", ein eigenes Geschäft aufzubauen, durch immer mehr Hürden unterbunden. Internetradios sollen neben anderen Gebühren auf einmal für jeden ausländischen Zuhörer bezahlen (da dieser ja ansonsten kostenlos an Analogkopien der Musik käme) und überhaupt soll die Möglichkeit der Analogkopie unterbunden werden. Und was passiert, wenn Handys oder Festnetztelefonanschlüsse nicht mehr von jedermann/-frau finanziell unterhalten werden können sollten, aber auch keine Telefonzellen mehr existieren werden, braucht man ja nur anzudeuten.
Euer Tinúviel