Ich könnt mich krumm & kringelig lachen. Ich mein, so Religionspsychologen fänden meinen Waschzwang wahrscheinlich auch bedenklich und dass ich jetzt doch wieder dazu übergangen bin, Gardinenfaltenabstände zu messen und mit der Sherlock-Holmes-Lupe auf Kekskrümeljagd in den flauschigen Tiefen des Perserteppichs zu gehn. Hihihihihihihihihihi. Nee, mal ernsthaft. Ich hab heute gemerkt, dass es auf nen Sonntag wie heute einfacher ist, nen Harry Potter zu erstehen als z.B. Arbeitsgesetze zu finden.
Ich mein, ich erwarte ja nich, dass die Thalia-Buchhandlung Tür und Tor geöffnet hat, aber bei Stilke bzw. k buch und presse könnte man sowas neben Horror, Fantasy, Belletristik und Hochglanzmagazinen doch schon irgendwie in der Sachbuchecke finden können. Ich find das so ätzend. Da geh ich raus, muss merken, dass da mal flux zwei Stunden vergangen sind, von denen ich nich weiß wohin und gekauft hab ich entgegen aller guten Vorsätze doch wieder nich das, was ich eigentlich wollte.
Weißt du, was ich denk? Ich denk, dass diejenigen, die so massiv gegen Harry Potter (Huuuh, der wird sorgar schon bald volljährig *gg*) bzw. die Autorin wettern, im Grunde genommen bloß neidisch sind. Und zwar in dem Maße, dass sie damit anfangen müssen, das Buch nebst Inhalten religionspolitisch zu thematisieren.
Ich mein, ist doch klar, dass Erfolg (und sei's der eines Buches) anziehend ist, während Penner und Misserfolg z.B. abstoßend sind.
Da fragen sich die Kirchenfredis: wie und warum kann es angehn, dass uns die Mitglieder abhauen, aus der wie Jesus immer ärmer werdenden Kirche austreten und anstatts nen lebenslangen Leidensweg die Strapazen auf sich nehmen, mit Campingklappstuhl vor der Buchhandlung zu sitzen und drauf warten, dass die Buchhandlung öffnet und die Meute die Regale stürmen kann.
Was soll nur aus der Jugend werden. Pfatsch! Das Buch ist schlecht. Die Autorin der Deibel. Und zwar nich, weil das Buch tatsächlich schlecht ist, Kinder und Jugendliche eben was phantastischeres erleben wollen als 3x täglich Gebete runterzuleiern.
Die Kirchenfredis gehen doch überhaupt nich mehr auf ihre Mitglieder und deren individuelle Erfahrungen und Lebensschicksale, auf die verschiedenen Meinungen ein. Die ziehen ihren Schuh durch und gut is. Wenn er nich passt, wird er angepasst wie bei Aschenbrödels Stiefschwester, die sich ne Ferse absäbelt. Da is Anpassung das Zauberwort. Das ja niemand aus der Schafsherde auffällt. Weiter und höher kommen is sowieso nich, weil der Leithammel feststeht und Prinz Papst heißt.
Ich denk immer noch, dass die Leute, die mit Kirche und Konventionen groß geworden und so erzogen worden sind, immer ne Sehnsucht nach Abenteuer, Nervenkitzel, Phantasischem haben werden, nach Politik und Wirtschaft während andre das haben wollen, was sie (noch nicht) erlebt haben. Ich mein, ist doch meistens so.
Mich intressiert Religion zum Teil auch, aber auch nur, weil ich sowas nich kenn und mir die Fähigkeit bewahren will, noch Bauklötzer staunen zu können. Zwar nich so, dass ich jetze fortan nen zutiefst religiöser Mensch werden wöllte, der allem weltlichen abschwört, aber trotzdem. Ich find religiöse Grundgedanken, Symbolträchtigkeiten und -bedeutungen schon interessant und vorallen - selbst wenns einigen nich passt - ist einiges aus der Religiösen Schublade für mich genauso sinnstiftend oder sinnvoll, je nachdem wie man das nennen mag, wie für andre nen Tolkien oder nen Harry Schlotter.
Find ich unmöglich, dass Harry Potter an den Pranger gestellt wird, die Kirche ihrer Zielgruppe Zukunft nachjagt (nich ganz uneigennützig natürlich) und das Buch und alles drum und dran plötzlich schlecht sein soll, nur weils einigen Freude macht. Zumal Kreativität sowieso in der Zahlen- und Logikwelt von heutzutage verkümmert.
*sich die rechte Gehirnhälfte reibt*
Ich sehe was, was du nich siehst...
