Sterntagebücher von Stanislaw Lem

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Moderator: gabor

Annarhi

Sterntagebücher von Stanislaw Lem

Beitrag von Annarhi »

Dzine dobry ihr da,

wisst ihr, wen und was ich besonders gern lesen mag, wenn mir irgendwas oder jemand den Verstand geraubt hat und ich mal wieder bissel inspirierenden Ideenreichtum, Phantasie, Phantastisches, Unvorstellbares gebrauchen könnte? Stanislaw Lem das datterige, mathematische Superhirn, der Chronos des 20. Jahrhunderts: leider, leider, sowas von leider am 27. März diesen Jahres gestorben, zur letzten Ruhe gebettet, in die ewigen Jagdgründe eingegangen, über den Jordan gejuckelt, in Jesu Heimstatt zurückgekehrt *Rückblende* *schnieef* *gg*

undefined://www.stanislaw-lem.de//

undefined://de.wikipedia.org/wiki/Stanis%C5%82aw_Lem

Einige Insektenstories von dem erinnern mich zwar etwas an vereinzelte Kafkageschichten und allzu Abgespactes mag ich auch nich, aber irgendwie fand und find ich den schon cool. Wahrscheinlich hätte der Moonboots zu Weihnachten verschenkt, diese globigen Schuhe, in denen man jegliches Rechts/Links Verhältnis nich braucht und die aus jedem noch so gazellenmäßigem Damenbein nen Elefantenstampfer machen. *ggg*

Wie findet ihr den? Also ich stells mir ziemlich gruslig vor, wenn nen Schwarm Monstermaikäfer, denen das Gehirn rausgelutscht wurde, von rechts angeflogen kämen und mich verfolgen würden. *schauder*
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Rall Schorrdas
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Beitrag von Rall Schorrdas »

Naja, zum einen ist mir vor ein paar Jahren mal das obligatorische "Solaris" geschenkt worden. Habs aber nicht ganz durchgelesen, dar von Anfang an eigentlich klar war, worum es geht und dann im Rest des Buches irgendwie nichts richtig Neues mehr kommt. Trotzdem ist das Buch natürlich um Längen besser als die beiden Verfilmungen, zumal die Letzte sich wohl eher an der Zensur als an der Vorlage orientiert hat.
Abgesehen davon habe ich auch mal "Eden" angefangen. und noch schneller abgebrochen zu lesen, da das Verhalten der Protagonisten für mich durchweg ziemlich menschenverachtend rüberkam.
Aber gute und hochinteressante Ideen hatte der Mann keine Frage.

:|

Rall
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Tyger
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Beitrag von Tyger »

Ich als SF-Fan habe einen ganzen Schwung von Lem-Büchern, die alten mehr oder weniger alle. Eden, Der Unbesiegbare, Planet des Todes, die Abenteuer des Piloten Pirx, die Robotermärchen usw. habe ich als Kind schon verschlungen, wann immer ich sie in die Hände bekam. Leider wurde Lem dann mit der Zeit immer verkopfter und unlesbarer, was gerade mit den Sterntagebüchern anfing, die mir schon nicht mehr gefielen. Ich glaube, das war sein erstes Buch, in dem er logischen Sinn und Handlungszusammenhang einem Wirrwarr von allen möglichen kreuz- und querschießenden Gedankengängen zu opfern begann. Als er dann schließlich keine 5 Seiten zusammenhängender Handlung mehr zustande brachte, ohne sich vom Hundertsten ins Tausendste zu verlieren und von den Regenwürmern zum Urknall zu kommen, habe ich aufgehört, Lem zu lesen. Aber zu der Zeit galt er ja auch schon als Polens größter lebender Philosoph, da waren seine Bücher schon nicht mehr zum Lesen gedacht, sondern als Festmeter Literatur fürs intellektuelle Regal.
Annarhi

Beitrag von Annarhi »

@Rall: Solaris hab ich auch im TV geguckt und schon vorm Ende die Flimmerkiste wieder ausgeschaltet. War bissel einschläfernd.

Ich weiss noch, wie ich vor einigen Jahren, als ich Lem noch nich kannte, geträumt hab, ich würd auf der Sonne wohnen mit andren Lebewesen, wir bekämen alle knallrote Gummianzüge, wo nur die Fingerkuppen frei sind und springen in Lichtgeschwindigkeit durch die Flammen, durch Zeit und Raum nach unten auf die Erde. Die Gummianzüge schmelzen und zwischen unsren Fingern schliert sowas ähnliches wie Schwimmhäute zwischen den Fingern. Die Erde ist verbrannt, alles wüst, öde und leer. (Vielleicht war eine grosse Dürre über die Erde gekommen :FG) alle natürlichen Menschen tot und die Leute mit den Gummianzügen sollten sich um den Aufbau ner neuen Erde bemühen als Mission praktisch *ggg* In der Hinsicht find ich mich in manchen seiner fiktiven Geschichten wieder. Ist schon irgendwie ulkig. Ich mag den ganz gerne.

@Tyger: verkopft ist die richtige Beschreibung. Ich hab mal nen Liebesgedicht von dem gelesen, ich finds gerade nich wieder, das ist zwar von der ersten bis zur letzten Zeile mit mathematischen Begriffen formuliert, total unromantisch, wirkt aber trotzdem irgendwie zärtlich, wobei ich mir beim Lesen nich sicher war, obs die Liebe zu seiner Frau, zur Mathematik oder beidem beschreibt.
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Rall Schorrdas
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Beitrag von Rall Schorrdas »

Hmm. Kennst Du eigentlich Murray Leinster? Hat eine ähnliche Qualität bei seinen Ideen, ist in der Aussage aber wesentlich positiver. Ich empfehle "Lancelot Biggs", "Piratenflotte über Darth" (Unbedingt, trotz des Titels) oder eine Kurzgeschichtensammlung. Finger weg von den "Irrfahrten der Spindrift", ist ein literarischer Totalaussetzer. Weiß nicht, ob er sonst noch welche hatte... Aber die anderen Bücher würden Dir glaubich gefallen.
Und sonst? John Campbell? (Gilt völlig zurecht als der SF-Autor mit den meisten und ausgefallensten Ideen.) Jack Williamson hatte auch ein paar gute, schreibt aber meister er Abenteuergeschichten. Ähnliches gilt für van Vogt. Und natürlich für meinen Liebling Edmond Hamilton.

pangalaktischer Donnergurgler,

Rall
Annarhi

Beitrag von Annarhi »

Pangalaktischer Donnergurgler? Hast wohl keine Zahnbürste dabei? :D

Zu meiner Schande muss ich gestehn, dass ich die alle nich kenn, aber Hamilton klingt irgendwie gut, d.h. nach Tugend, Anstand, Sittlichkeit und Moral. Den werd ich mir merken. *ggg*
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Beitrag von Default »

Die Waschmaschinentragödie
Von Stanislaw Lem
(kurz zusammengefaßt mit 6 Zitaten)


Sicherlich kennt noch ein jeder die ganzseitigen Reklamebeilagen in den Zeitungen, auf denen eine spöttisch grinsende, glotzäugige Waschmaschine abgebildet war, mit den Worten: Wünscht du, daß deine Waschmaschine intelligenter ist, als du? Gewiß nicht!

Während einer Straßenschlacht der Gang Struzzeli gegen die Bande Phums Byron, die ganz Manhattan terrorisierte - Sie erinnern sich, das war damals, als das Empire State Building in die Luft flog - ,fielen auf beiden Seiten mehr als hundertzwanzig bis zu den Deckeln bewaffnete Waschmaschinen.

Elektronengehirne, die sich entkleiden, um der gerichtlichen Verfolgung zu entgehen, werden zum Verschrotten verurteilt.

Der sogenannte Antiauferstehungsentwurf der Novelle zum Mac-Flacon-Gesetz, der daraufhin von einem Kongressausschuß angenommen wurde, scheiterte am Widerstand des Senators Guggenshyne. Kurze Zeit später kam man dahinter, daß dieser Senator eine Waschmaschine war.

Oberassistent Milger versuchte nachzuweisen, Mattrass habe durch die Verwandlung in Roboter seine Persönlichkeit vervielfältigt und bestehe nun aus 300 000 Exemplaren.

Der Vorsitzende - der letzte Mensch, der außer mir im Saal verblieben war - trat an meinen Stuhl. Nichtsahnend nahm ich ihm den Kompass ab. Die Nadel begann anklagend zu kreisen, und zeigte dann auf ihn. Ich klopfte seinen Bauch ab - er klang metallisch. Rasch packte ich den Kerl am Kragen, setzte ihn vor die Tür und blieb allein. ..... Als ich sah, daß nichts mehr für mich zu tun blieb, wandte ich mich kurzerhand um, und ging nach Hause.


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INTERVIEW MIT STANISLAW LEM
27. März 2006
"Wir steuern auf einen Nuklearkrieg zu!"

In einem seiner letzten Interviews ließ Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem seinem Frust über die Welt freien Lauf. Er fluchte über Präsident Bush, schimpfte über seine Heimat Polen. Am Ende seines Lebens war der große alte Mann des Zukunftsromans vor allem ein Pessimist

Lem: Bei der Frage nach der Zukunft der Menschheit verspüre ich immer eine gewisse Unruhe. Denn wir steuern unaufhaltsam auf einen Nuklearkrieg zu. Leider weiß ich nicht, wann der endgültige Zusammenstoß stattfinden wird. Wenn ich es wüsste, würde ich mich möglichst in den Panzerschrank des amerikanischen Präsidenten setzen.

Frage: Das ist ja eine fürchterliche Prognose.

Lem: Fürchterlich, aber auf Tatsachen gestützt. Es reicht doch, wenn man sich einen Teil der politischen Landschaft vor Augen führt: Als Teheran verkündete, das Nuklearprogramm fortzusetzen, sagte der israelische Politiker Benjamin Netanjahu, dass er einen Plan habe, die iranischen Atomanlagen zu bombardieren. Als Reaktion darauf kaufte Teheran in Russland Raketen mittlerer und großer Reichweite, um sie im Fall eines Angriffs einzusetzen. So eine Spannung kündigt keinen dauerhaften Frieden an.

Frage: Meinen Sie, die Vereinigten Staaten könnten die Kontrolle in diesem Konflikt verlieren?

Lem: Die Vereinigten Staaten sind - wie es schon der kanadische Premierminister gesagt hat - ein Riese ohne Kopf. Präsident Bush hat die Eigenschaft, dumm zu sein. Davon zeugt zum Beispiel die Tatsache, dass er gegen die Evolutionstheorie auftritt, zugunsten eines sogenannten intelligenten Projekts, bei dem es darum geht, dass man nicht weiß, worum es geht. Seine ganze Administration verfechtet diese idiotische Theorie, ihren Mitgliedern mangelt es an Verstand.....
........
Frage: Gibt es keine Hoffnung?

Lem: Für die Welt? Schlechte Aussichten. Wie kann man wirksam den zunehmenden Terrorismus bekämpfen, wenn in diesem Fall nicht einmal die Todesstrafe hilft? Die Terroristen warten doch nur darauf zu sterben. So wie ich anfangs gesagt habe: Langsam aber unvermeidlich gehen wir auf einen nuklearen Konflikt zu. Das ist keine besondere Erkenntnis, sondern bloße Selbstverständlichkeit.
undefined://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,400622,00.html

freundliche Grüße
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Rall Schorrdas
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Beitrag von Rall Schorrdas »

Ojojoj.

Wenn er nicht schon tot wäre, hätte ich ja geargwöhnt, daß er hier unter dem Nick "abigor" postet.

:har: :har: :har:

Rall
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Tyger
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Atombombenoptimismus

Beitrag von Tyger »

Wieso eigentlich Pessimist? Das Schlimmstmögliche, was passieren könnte, wäre doch, dass der (wie auch immer geartete) große Crash nicht käme und die Entwicklung immer so weiterginge wie derzeit.
Annarhi

Beitrag von Annarhi »

Tyger hat geschrieben:Wieso eigentlich Pessimist? Das Schlimmstmögliche, was passieren könnte, wäre doch, dass der (wie auch immer geartete) große Crash nicht käme und die Entwicklung immer so weiterginge wie derzeit.
Glaub ich auch nicht, dass so nen Nuklearkrieg kommt und alle Menschen wie damals in Hiroshima zum Schatten auf der Treppe werden, in Null Komma Nix nicht mal Asche übrigbleibt. Dann wärs wenigstens schnell und relativ schmerzlos als schlimmstenfalls mit Folgeschäden leben zu müssen oder sich das Schildkröten- und Schneckentempo an Entwicklung sprich positivem, symbiotischem Zusammenleben der Menschen auf der Erde anzutun. Wenn ich manchmal so rasant abnehmen würde, wie sich technische Erneuerungen bei Computern und derlei Technik (he, wir schreiben das Saturnjahr 2007 *ggg*) ergeben, dann wär ich schon froh. Ich würd schlagartig um viele Jahre jünger werden, weil sich meine Lebenserwartung dadurch verlängert.

Lem war nich direkt nen Futurist oder Wahrsager für Zukunftsprognosen, der hatte zwar allerlei Hirngespinste, Phantasien usw. aber andrerseits war er auch nen Trauerkloß. Schließlich gestalten und verändern wir uns selber und damit auch unsre Umwelt täglich. Jeden Tag mit jedem Atemzug wird irgendwas anders. Das einzige, worauf man sich verlassen kann ist, dass sich alles verändert, wandelt. Warum also nicht auch vom schlechten zum Guten?

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