Mache niemals den Fehler, dich einem Meister anzuschließen, der noch lebt.
Warum? Nun, das könnte sich sehr leicht zum unangenehmen Bumerang entwickeln.
Er könnte dir etwa einen Tritt in den Hinter verpassen.
In der Magie war es lange Zeit Mode, sich an traditionellen oder gar erfundenen Lehrer(-innen) schadlos zu halten und sie - frech wie Oskar - ganz einfach nachzuahmen. Davon blieben weder der Golden Dawn, noch Crowley verschont. Und auch hierzulande kein Quintscher, noch ein Bardon verschont.
Nicht ganz ohne Vorteil für den User:
Tote Meister widersprechen nicht. Sie quatschen einem nicht dazwischen, ermahnen nicht, halten nicht zum Fleiß an - und das Schönste: Sie können sich nicht mehr wehren!
Da kann man ihre Lehren dann dehnen und ziehen, daß sie sich im Grabe nicht nur umdrehen, sondern regelrecht rotieren... Was wollte der Meister uns damit sagen, heißt die große Devise und plötzlich wollte der Meister alles (Un-) Mögliche sagen oder gerade eben nicht sagen!
Ein noch lebender Meister aber kann selbst dem allertreuesten Schüler zum Verhängnis werden...
Einen Meister zu haben, ist einerseits ganz furchtbar praktisch: Was er sagt, zählt. Da kann man immer aufschauen. Wenn man Fragen stellt, fliegt man auf die Schnauze, weil der Meister schon alle Antworten kennt. Auf seine Autorität kann man sich immer stützen und verlassen, denn wenn man nicht weiter weiß, sind die Wege des Meisters halt einfach unergründlich. Kennst du nicht das erhebende Gefühl, wenn man erfaßt hat, was der Meister sagen wollte und er einem auf die Schulter klopft?
Andererseits wird es kritisch, weil dieser Meister eben noch lebt: Da kann es nämlich passieren, daß der Meister mit dem Schüler unzufrieden ist
- oder noch schlimmer, daß der Meister plötzlich auf gänzlich anderen Pfaden zu wandeln beginnt, die dem Schüler überhaupt nicht mehr behagen.
"Was tun?" sprach Zeus und warf den Krimskrams über Bord. Nix war's mit Magie. Wer will schon erfrieren?
Wenn man mit Magie beginnt, scheint es nichts vorteilhafteres zu geben als einen lebendigen Meister zum Anfassen, der einem das Gefühl gibt, etwas ganz Besonderes zu lernen und zu werden. Je mehr einen der Meister vor den Kopf stößt, umso angespornter fühlt man sich. Ist ja auch klar - ein Meister, der einen verhätschelt und täschelt, bei dem lernt man nichts, nicht wahr?
Also nichts wie auf zur Schlachterbank, auf daß wir auseinandergenommen und als neue Übermenschen wieder zusammengesetzt werden. Nur was tun, wenn der Chief einen da liegen läßt und sich anderen, interessanteren Dingen zuwendet?
Nein, nein: Besorge dir niemals einen lebendigen Lehrer. Das könnte ins Auge gehen. Und zwar gewaltig.
Nimm dir z.B. Crowley vor, der hat mehr oder weniger ein nettes System hinterlassen, das keinem mehr weh tun kann. Nach Jahren des Studiums der hebräischen Sprache und Mystik heiratest du deine scharlachrote Frau und treibst es kräftig im Namen der Sexualmagie, dann wird der Meister im Grabe mit Ihnen zufrieden sein. Ein wenig Heroin vom Schwarzmarkt, und schon fühlt man sich wie das Tier 666 persönlich.
Oder versuch es mit Bardon: Der Weg zum wahren D..., äh, Adepten ist doch ein toller Weg zu den Gefilden der Magie. Lernen Sie das Buch auswendig und machen Sie die Übungen, dann kann Ihnen niemand mehr etwas anhaben, am wenigsten Bardon selbst. Aber irgendetwas muß auch der falsch gemacht haben, immerhin hat er sein viertes Buch nicht mehr zu Ende gekriegt. Apropos Krieg - da haben wir das Problem auch schon beim Namen genannt.
Also wo oder was oder wer? Versuch es doch einmal mit einem Meister (oder einer Meisterin...), die meilenweit weg in den Staaten wohnt, dessen Bücher aber hierzulande frisch übersetzt aus der Druckerpresse kommen. Je größer der Verlag, der es übersetzt hat, umso sicherer kann man sein, daß es nichts taugt. Wer sich schon einmal in den Staaten umgesehen hat, weiß, wovon ich spreche.
So jemand aber kann Ihnen auch nicht in die Quere kommen. Sobald man das Buch durchgelesen und -exerziert hat, fühlt man sich wie in geistiger Blutsbrüderschaft mit dem/der Autor/-in. Dann hat man es geschafft und darf sich auch Magier, Hexe, Schamane oder sonstwie nennen. Dann hat man sein Diplom. Vielleicht noch hier ein Buch über keltische Mystik und da ein Buch über Runen, und schon sind wir ein Godi des germanischen Heidentums, von dem wir schon immer wußten, wie es aussah. Godi sein macht Gaudi.
Alleine Magie lernen, das ist uninteressant, unattraktiv. Keiner, der einen unterstützt, keiner, der einen bestätigt, kein Ziel vor Augen als Bücher, Bücher, Bücher und Schweiß...
Neee - da fehlt einem ja das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Warum sollte man sich für etwas einsetzen, wofür einem niemand auf die Schulter klopft? Ein Unsinn, den viele glauben, ist halt erfüllender als ein Unsinn, an den keiner glaubt. Oder etwa nicht?
Sich tagtäglich hinsetzen und nichts tun (genannt Meditieren), oder sich ins Gewand und dann in den Kreis quälen, um Namen auszurufen, von denen man nicht mal auswendig weiß, was sie bedeuten, wer kommt sich denn dabei nicht albern vor?
Aber wenn man den Meister vor Augen hat, oder fünf gleich Gewandete, dann gewinnt das Ganze plötzlich einen Hauch von Macht und Zusammengehörigkeit - auch Elitedenken genannt.
Magie steht ja gar nicht in Büchern - verdammt nochmal, wo denn sonst?
Magie ist ein tolles Schlagwort. Obwohl es schon so viel Literatur darüber gibt, ist es immer noch ratsam, dieses Wort in den Buchtitel zu übernehmen.
Magie ist Magie, da gibt es nichts zu deuten, hat einmal ein Fraterli behauptet. Natürlich - aber da gibt es eben auch nichts zu tun, nichts zu kokettieren, nichts, um sich darin zu gefallen.
Magie als Selbstbestätigung - warum eigentlich nicht? Immerhin ist das etwas, wo noch nicht alles und jeder gewesen ist, wo noch keine Seilbahn hinfährt, wo noch nicht die letzte Wahrheit gesprochen ist, wo es noch keine DIN-Norm gibt und kein Diplom. Und auch keine Vorschriften. Hier gibt es, so sollte man meinen, keine Doktoren und Professoren, die auf Konferenzen darüber streiten, wessen Theorie sinnvoller erscheint und was die Kinder bis zum nächsten Mal in der Schule lernen sollen - noch nicht!
Es ist ja gerade das Schöne an der Magie, daß man keine Lehre und kein Studium braucht. Magier, Hexe oder Schamane kann sich jeder nennen. Auch ich und Du.
Nur nenne ich mich nicht Magier - wozu denn? Hast Du dieselben Ansichten wie ich? Ab wann ist man ein Magier? Wenn man die Aufnahmeprüfung zu irgendeinem Orden bestanden hat? Es gibt sie eben doch, die Doktoren der Magie. Ihre Gilden und Universitäten nennen sich Orden und ihrer Lehrmeinung hat sich zu unterwerfen, wer anerkannt werden will. Die DIN-Norm des Übersinnlichen, aufgegliedert in vier, sieben, zwölf oder fünfhundertdreiundsiebzig Dimensionen des Feinstofflichen, sie existiert bereits.
Und da schlagen wir den Bogen zurück zu unseren Meistern - die haben ja nicht einmal eine eingebaute Garantie auf Rückgabe bei Nichtgefallen. Hätte auch keinen Zweck: Bis man merkt, ob einer was taugt, ist man schon viel zu tief drin.
Mitgehangen - mitgefangen.
Bevor Sie einen Meister aufsuchen, lernen Sie lieber erst einmal selber gehen. Nur - dann brauchen Sie einen Meister ja gar nicht - Huch! Also wozu sollen die dann gut sein?
Nach einem Text den ich ma vor langer Zeit gelesen habe, leider weiß ich nicht mehr wo






